Black Magazine – Chvad SB “Crickets Were the Compass” (2014)

Das Cover scheint einen auf den Irrweg schicken zu wollen; das Gegenteil ist der Fall: Comic-Stil (und dann auch noch mit einem Hund als Charakter), das hat schnell etwas Niedliches. Bis nicht nur der „Gesichtsausdruck“ des Hundes ins Auge fällt, sondern eben auch der Zustand der Umgebung. Post-Apokalypse irgendwie. Wenn dann noch zu lesen ist, Chvad SB wollte mit „Crickets Were The Compass“ eine Art „Nachlassdokument von Verlust“ erstellen, dann kann das von visueller Seite schon mal als erfolgreich bescheinigt werden. Und mit Blick auf die Namen der Titel dann gleich darauf ein zweites Mal. Und aufgrund der Musik (natürlich) erst recht: schon die ersten Töne von „It Haunts Her“ mit ihrer Mischung von Gitarreneinsprengseln und dem in einer tieferen Tonlage als bekannt eine typische Sirene nachzeichnenden Synth versetzen die Hörer (kompliziert gesprochen) in eine tendenziell nicht wirklich komfortable Lage. Alles scheint stillzustehen, irgendwo (unortbar) scheint trotz allem etwas zu passieren; was es ist bleibt unklar, aber es kann nichts gutes sein… „A Hair Before Sundown“, die #2, nutzt das gleiche Instrumentarium, lässt den Synth jedoch nun lautmalerisch sowohl einschlagen als auch (seltsam verhalten aber dennoch) salvenartig, wie abstraktes Geschützfeuer, die Hörer angreifen… Die Beschreibung dieser ersten beiden Stücke ist absolut symptomatisch für die Stimmung auf „Crickets Were The Compass“; eine Ambient(?) VÖ, die alles andere als anschmiegsam sein will und die es, im Gegensatz zu Veröffentlichungen mit ähnlicher Attitüde eben nicht über möglichst noisige Sounds etc. erreicht, sondern allein über die Bilder, die die für sich betrachtet sogar eigentlich warmen Sounds in den Köpfen entstehen lassen. Geradezu unheimlich, und das mit fast schon einfachsten Mitteln. Gerade die Zurückhaltung, das Verhaltene erzeugt hier das Grauen viel stärker als es jeder Noiseüberfall könnte…

Review originally published here:
http://www.blackmagazin.com/?p=17047

Translation:
The cover seems to be leading you onto the wrong path, but the opposite is true: Comic-style – and then even with a dog as character – easily becomes something cute. That is until the facial expression of the dog comes to notice, but also the state of the environment. Post-apocalypse in a way. And when you read that Chvad SB wanted to create an “inheritance document of loss” with “Crickets Were The Compass”, then he succeeded already on the visual part. And in regard to the track titles he did that again. And the music, of course. Already the first notes of “It Haunts Her” with their mixture of guitar-“Einsprengseln” something and the lower pitch synth, retracing a typical siren, transport the listener into a not too comfortable mood. Everything seems to stand still, still somewhere (untraceable) something seems to be happening; what that is remains unclear, but it can’t be good. “A Hair Before Sundown”, track 2, uses the same instruments.

.. the mood of Crickets were compass, that wants to be everything but cuddly by – in contrast to releases with a similar attitude – not using as much noisy sounds but only images, that, standing by themselves, actually create a warm sound in your head. Almost sinister, and that with the most simple methods. Especially the reservation, the cautiousness here creates a much stronger horror than any noise overload (?) ever could.

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