Babyblauen Seiten – Chvad SB “Crickets Were the Compass” (2014)

Der sich Chvad SB nennende Musiker stammt aus Brooklyn, NY., USA und hat seit 1994 eine umfangreiche Diskographie angesammelt. Darunter sind mehrere im Alleingang aufgenommene Soundtracks sowie Aufnahmen mit experimentellen Projekten, wie z.B. Thing Outside the Skin und Tongue Muzzle.

Auf “Crickets were the Compass” widmet sich Chvad SB avantgardistisch angehauchter Musik, die man wohl als Dark Ambient bezeichnen kann. Die Instrumentals des 2014 aktuellen Albums verarbeiten angeblich die Gefühle des Verlustes und des Verlorenseins sowie andere vergleichbare Erscheinungen. Zu jedem Titel hat der Künstler noch einen kurzen Kommentar verfasst, der die Gedanken hinter der jeweiligen Komposition, oder Improvisation zusammenfassen soll. Die zusätzliche Anmerkung zu „People asking and I say you’re well“ lautet z. B.: „They ask how you’ve been, I say you‘re well, I wish I knew that were true“. In Verbindung mit dem rührend-apokalyptischen Artwork (das einen einsamen Hund in einer zerstörten Stadt zeigt) und der durchaus eindringlich schwermütigen Musik liegt einem sicher kein Gesamtkunstwerk vor, der zur Entspannung einladen würde.

Gut so: die Musik darf auch als Herausforderung aufgefasst werden. Um seine zum Klang gewordene Herausforderung umzusetzen verwendet Chvad SB vor allem Gitarren, Synthesizer, Gegenstände des täglichen Bedarfs und selbstgebastelte Klangerzeuger. Die eher minimalistisch angelegte, öfters mit einem Industrial-Touch versehene Musik variiert zwischen monoton-verstörend, resigniert-melancholisch und unterschwellig aggressiv.

Musikalische Gefälligkeiten sind ebenso wenig zu erwarten, wie Songstrukturen mit Gesang. In „A Hair before Sundown“ treffen beispielsweise knurrende Synthesizer auf perkussive Strukturen, die von Xylophon zu stammen scheinen. „The Dust Cloud Permeates“ klingt wie eine finstere Ambient-Collage aus verzerrten Feedbacks, repetitiven Gitarrentönen und surrenden Synthies. Der erste noisige Teil von „People Keep Asking…“ wird bei manchem konservativem Hörer die Frage nach den Grenzen zwischen Musik und bloßem Geräusch aufkommen lassen. Aber die Geduld wird belohnt: nach dem noisigen Auftakt beginnen sich langsam melodische Ambient-Strukturen herauszuschälen. Die schleifenartigen Soundscapes von „There isn’t a day…“ könnten den Fripp-Sympathisanten in uns ansprechen, falls vorhanden. Teile von „Crickets were the compass…“ ähneln den frühen Krautrock-Industrial-Elektronik-Experimenten in der Art von Kluster.

“Crickets were the Compass” kann als post-apokalyptische Soundtrack-Vorlage verwendet werden, z.B. um sich zu vergegenwärtigen, wie gut es uns zurzeit noch geht.

Rating: 10/15

Review by; Siggy Zielinski

Review originally published here:
http://www.babyblaue-seiten.de/album_14325.html#oben

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